Design

Kreativität trifft Technologie

Wilder Westen Werbebranche – Marketing-Profis bekleckern sich nicht gerade mit Seriosität. Verspielt, überzogen, unprofessionell sei die neue Kreativität. Nicht ganz unschuldig an dem zweifelhaften Ruf: die moderne Technologie.

Bots, KI, Algorithmen, Magic Displays sorgen bei so manchem Technologie-Skeptiker für Kopfschütteln statt Begeisterung. So auch bei Jung-von-Matt-Chef Thomas Strerath. Im Sog des Digital-Hypes haben Kreativagenturen das Nein-Sagen, das Einmaleins des Werbehandwerks, verlernt. Widerworte von Huth + Wenzel-Geschäftsführer: Von wegen Gegenspieler! Kreativität und Technologie seien ein unschlagbares Team.

Kreative Technologie – Segen statt Fluch

Kreativität ist der innere Motor der Marketingabteilung. Und wird es auch bleiben. Denn die Digitalisierung bringt den Motor nicht ins Stocken. Sie bringt ihn zum Beben. Neue Technik-Trends wie SEO und Social Media sind zwar eine Herausforderung, aber zugleich eine Chance für die Kreativität. Ohne digitale Revolution würde die Kreativität auf der Stelle treten, keine neuen Potenziale ausschöpfen. Mit ihr entstehen neue raffinierte Marketing-Strategien, ein neuer Boost für das Image und den Absatz des Kunden. Denn wieso sollten Bots, KI & Co. weniger originell sein als das Werbeplakat oder der klassische TV-Spot? Nur weil sie sich in der virtuellen Welt bewegen?

Die Abhängigkeit ist sogar wörtlich zu nehmen. Denn „Kreativität“ ist nichts anderes als „die Fähigkeit, vorher nicht Dagewesenes, Neues zu kreieren“. Um Neues zu kreieren reicht das Standard-Repertoire, das Bekannte und Bewährte, aber nicht aus. Neugierde und Experimentierfreudigkeit, sich auf Unbekanntes einlassen, ist gefragt. Kreative müssen ausprobieren, aus dem Vollen schöpfen, über sich hinauswachsen. Nur so schlägt die Kampagne ein.

Ob mit einem frechen Snap, einer außergewöhnlichen Social Media-Aktion oder mit einem Radiospot mit Ohrwurm-Garantie – welche Kanäle zum Erfolg führen, entschiedet sich erst beim Experimentieren. Und dafür sollen und müssen Marketing-Experten ihre Werkzeuge beherrschen. Von analog bis digital.

Neue digitale Chancen für die Kreativität

Es war einmal der regionale Händlerprospekt. Kaufimpulse kommen jetzt aus einem anderen Briefkasten. Aus dem elektronischen. Newsletter, personalisierte Mailings, Social Media-Posts und maßgeschneiderte Suchmaschinen-Werbung treffen uns schneller und öfter als die Offline-Klassiker. Nur weil sich das Marketing online abspielt, kann es aber nicht auf Kreativität verzichten. Im Gegenteil: gerade personalisiertes Online-Marketing erfordert kreatives Fingerspitzengefühl. Die Konkurrenz ist groß. Nur die originellsten und auffälligsten Kampagnen landen nicht gleich im Papierkorb.

Und dann ist da noch crossmedia. Die Digitalisierung schenkt uns einen Kanal nach dem nächsten. Display-Advertising, Affiliate Marketing und Social Media sind nur ein Bruchteil von neuen Online-Marketing-Maßnahmen. Ganz schön komplex. Betonung auf schön. Denn die neu gewonnene Vielfalt ermöglicht eine neue Form von Storytelling, Raum für komplexere Geschichten. Und wo immer Geschichten im Spiel sind, ist es auch die Kreativität.

Multichannel heißt aber auch Ideenreichtum. Wer über mehrere Kanäle kommuniziert, muss verschiedene Botschaften kommunizieren. Der Tweet darf nicht eins zu eins den Website-Content wiedergeben. So verlangt die virtuelle Welt manchmal sogar noch mehr Kreativität als die reelle. Und das wird sich nicht ändern. Denn je stärker der digital shift, desto mehr Technologie, Technologie, die die Kreativität aufs Neue herausfordert.