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Aus Old Work wird New Work – Digitalisierung in der Arbeitswelt

Wir befinden uns mitten in einer Revolution, die das Leben und Arbeiten spürbar verändern wird. Digitalisierung ist fast schon zum Buzzword verkommen – dennoch – auch vor der Arbeitswelt macht der digitale Wandel der Gesellschaft kein Halt. Aus gutem Grund: Wer in einer immer schnelllebigeren Welt kreativ sein soll und effizient arbeiten muss, braucht neue Arbeitszeitmodelle, innovative Arbeitsplätze und eine zeitgemäße Unternehmenskultur. Experten wagen den Ausblick, dass starre Strukturen und veraltete Vergütungsmodelle in Zukunft den War-for-Talents verlieren werden. Bereits zum fünften Mal hat Xing den „New Work Experience Award 2018“ vergeben. Der heutige Blogbeitrag liefert Euch eine Zusammenfassung der spannenden Vorträge und Gewinner des diesjährigen Awards. Inhalt sind unter anderem zukunftsweisende Konzepte zur Arbeitsgestaltung und Personalführung, die in den Kategorien „Etablierte Unternehmen“, „Junge Unternehmen“ und „New Worker“ vergeben wurden.

Die Gewinner in der Kategorie „Etablierte Unternehmen“

Der Nutzfahrzeughersteller MAN hat es geschafft, eine mehr als 250 Jahre alte Tradition mit Innovationen und digitalen Konzepten zu verbinden und neu zu erfinden. Für die mehr als 300m² große Zukunftswerkstatt, in der gemeinsam an agilen Konzepten und Arbeitsweisen gearbeitet wird, die anschließend in das Unternehmen getragen werden und die Unternehmenskultur verändern, hat MAN in der Kategorie „Etablierte Unternehmen“ den ersten Platz belegt. Wichtig ist der Freiraum für Kreativität und Neues, der nicht nur in einer neuen Umgebung getestet werden kann, sondern auch konsequent umgesetzt wird.

Auf Platz Zwei und Drei reihen sich nicht weniger kreative und innovative Ideen ein. T-Systems hat mit dem eigenen Projekt „Magenta Lighthouse“ – eine Initiative für mehr Agilität und Kollaboration – den zweiten Platz erreicht. Die intrinsische Motivation der Belegschaft konnte deutlich gesteigert werden. Der dritte Platz ging an music4friends – eine Künstleragentur. Ihr „New Work“-Konzept beinhaltet den Rollentausch von Azubis und Geschäftsführung – die Auszubildenden haben die Möglichkeit einen Monat lang die Rolle der Geschäftsführung zu übernehmen, um Handlungsfreiheit und Verantwortung zu lernen und zu fördern.

Die Gewinner in der Kategorie „Junge Unternehmen“ 

Die Kategorie „Junge Unternehmen“ wurde von Intraprenör – eine Unternehmensberatung – angeführt. Der selbsternannte „Prototyp für Neues Arbeiten“ hat es geschafft, die Jury mit ihrer Idee zu überzeugen – die Mitarbeiter sollen über maximale Flexibilität verfügen, die unter anderem mit einer konsequenten 4-Tage Woche und einem achtwöchigen Sommer-Sabbatical unterstützt wird. Das Unternehmen möchte die Kreativität bestmöglich in der Unternehmenskultur verankern und hat mit ihrem Konzept eine passende Lösung gefunden.

About You – das Mode Start-up von OTTO belegte dieses Jahr den zweiten Platz. Flexibler Positionstausch – wie funktioniert das? Auch hier stehen die Themen Flexibilität und Freiheit der Mitarbeiter an erster Stelle, denn innerhalb der Entwicklungsabteilung sollen die Rollen flexibel getauscht werden. Unter dem Namen „Circle Lead Developers“ versteckt sich ein agiler Gedanke von Weiterbildungsmaßnahmen – die eigenen Führungsqualitäten sollen ausgebaut werden und der Blick auf Arbeitsweisen und Inhalte erweitert werden – unerlässlich heutzutage, denn längst beschränkt sich die eigenen Aufgabe im Unternehmen nicht mehr starr auf einen einzigen Bereich. Mit dem dritten Platz wurde das Unternehmen Einhorn ausgezeichnet, die nachhaltig produzierte und vegane Kondome in Designerverpackungen verkaufen. Der ganzheitlich agile Ansatz des Unternehmens, bei dem Mitarbeiter ihre Aufgaben selbst wählen und Gehälter in der Gruppe bestimmt werden, sowie keine Beschränkung der Urlaubstage vorherrscht, wurde von der Jury als zeitgemäß und innovativ angesehen.

Die „New Work“-Persönlichkeiten und ihre Konzepte 

Auch Persönlichkeiten wurden dieses Jahr wieder mit dem „New Worker“-Award 2018 ausgezeichnet. Mit dabei ist unter anderem Christoph Magnussen, der Unternehmen zu neuen Arbeitsmethoden und -modellen berät und auch mit seinem Podcast „On the way to new work“ die Sicht- und Denkweise in einigen Köpfen beeinflusst und verändert. Michael Schmutzer errichtet für Berufstätige in der digitalen Welt durch zahlreiche Coworking-Standorte eine analoge Heimat und wurde für seine Initiative ausgezeichnet. Als außergewöhnliche Köpfe der New-Work-Bewegung wurden Sabine Kluge, Robert Harms und Ronny Großjohann ausgezeichnet. Sie haben bei Siemens eine selbstorganisierte Fertigung entwickelt. Gerade in der Fertigung ist vieles noch sehr traditionell verankert – die Entscheidungsfreiheit, die die Drei durch ihre Idee in das Unternehmen und insbesondere in die Fertigungshallen gebracht haben, hat das Unternehmen deutlich verändert.

Wenn Sie einen Burnout wollen, dann rate ich Ihnen: Tun Sie ständig Dinge, die Sie nicht wollen.

Top Manager Götz Werner war einer der Speaker auf der diesjährigen „New Work Experience“. Sein außergewöhnlicher Führungsstil, der auf Dialog und nicht auf Anweisungen ausgerichtet ist, hat schon immer polarisiert. Für ihn sind seine Mitarbeiter keine Personalkosten, sondern Kreativposten, für die und andere er ein bedingungsloses Grundeinkommen fordert. Die scharfe Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit macht für ihn wenig Sinn – für ihn ist der Begriff Lebenszeit eine bessere Beschreibung für unser heutiges Leben und Arbeiten. Denn wären wir tatsächlich bereit, unsere Lebenszeit mit etwas zu verbringen, das uns nicht erfüllt oder glücklich macht? Seine Befürwortung für das bedingungslose Grundeinkommen begründet Werner so: Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen hätte niemand mehr eine Ausrede nicht arbeiten zu gehen oder in eine Opferrolle zu schlüpfen, denn so könnte jeder zu einer Arbeit, die ihm missfällt, nein sagen und sich eine sinnstiftende Aufgabe auf dem Arbeitsmarkt suchen, die nicht nur von Gehältern getrieben wird.

New Work ist nicht mehr nur Work-Life-Blanace

Die Work-Life-Balance, nach der viele Arbeitnehmer streben, wird von der New-Work-Bewegung immer mehr aufgelöst – denn Arbeitsleben und Alltagsleben lassen sich meistens nicht mehr so einfach voneinander trennen. Hier sind die Unternehmen und Führungsetagen gefragt, individuelle Maßnahmen und vor allem Arbeitszeitmodelle für ihre Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Flexible Arbeitszeiten und Home-Office sind keine neuen Ideen, müssen aber in Zukunft noch deutlich konsequenter durchgesetzt und angewendet werden.

Finden wir die Erfüllung in New Work?

Starre Unternehmensstrukturen, die jeden Mitarbeiter nur als eine Nummer auf dem Papier führen und nahezu in eine gleiche Rolle zu pressen versuchen, werden in naher Zukunft Auslaufmodelle werden. Unternehmen müssen sich mit der Individualität des Einzelnen auseinandersetzen und auf ihn angepasste Modelle finden. Unsere Bürokratie ist langsam – und das ist meistens auch gut so – dennoch wird die Revolution „Old Work wird zu New Work“ sehr viel langsamer voranschreiten, als wir vielleicht bisher annehmen. Nichtsdestotrotz müssen sich Unternehmen, die auf Innovationen und First-Mover-Vorteile angewiesen sind, schneller an diese neuen Bedingungen anpassen, als andere. Philosoph Richard David Precht sieht das Problem also nicht in der Demokratie selbst, sondern in den Politikern, denen es zu großen Teilen an innovativen Ideen und digitalem Denken mangelt.

 

2 thoughts on “Aus Old Work wird New Work – Digitalisierung in der Arbeitswelt

  1. Vielen Dank für diesen umfassenden Bericht zum Thema New-Work. Auch ich finde die Ansätze der Gewinner-Unternehmen grandios und finde, sie haben mit Recht gewonnen. Auch unterstütze ich die Aussage der „Lebenszeit“. Gerade durch die Digitalisierung und dieses Always-On, wo jeder überall und zu jederzeit sein Smartphone zur Hand hat, wird man doch auch in den eigentlichen Feierabend hinein noch häufig mit Arbeit begleitet. Man sollte meinen, dass in der heutigen Zeit flexibles Arbeiten und Home Office als selbstverständlich gelten, weil es durch die Digitalisierung in vielen Berufsfeldern eben einfach möglich ist. Aber nein, man kann ja teilweise froh sein, wenn es denn überhaupt Arbeitszeit gibt, dann gibts am besten nur die Minimale-Anzahl an Urlaubstagen, die gesetzlich vorgeschrieben ist und Überstunden werden bis zu 45 bis 50 Stunden mit dem Gehalt abgegolten und schon ist sie da hin, die „New-Work“. Das ist unter anderem einer der Gründe, warum ich mich dieses Jahr zum Betriebsrat wählen lassen möchte, um aktiv die neuen Prozesse und Strukturen, die notwendig sind, umzusetzen. Was wohl erst mal mit meinen Mitbestimmungsrechten zum Thema Arbeitszeit startet (da gibt es hier einen ganz guten Schnellüberblick – https://www.betriebsrat.de/arbeitszeit-und-entgelt/grundlagen-arbeitszeit/mitbestimmung-des-betriebsrats-beim-thema-arbeitszeit.html), denn alleine hier liegt bei uns noch einiges im Argen.

    Viele Grüße,
    Jens

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