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KEEP YOUR FOCUS!

Fällt es Dir auch schwer, Dich wirklich lange und intensiv mit einem Thema zu beschäftigen und Dich dabei auch noch vollständig zu konzentrieren? Damit bist Du nicht alleine – Forschungen haben gezeigt, dass Unterbrechungen beispielsweise am Arbeitsplatz alle 12 Minuten und in der Uni alle 3 Minuten vorkommen. Aufgrund des digitalen Zeitalters und der ständigen – wenn auch manchmal selbst verschuldeten – Erreichbarkeit durch Smartphones und Laptops, ist das nicht verwunderlich.

In „The Distracted Mind: Ancient Brains in a High-Tech World” von Dr. Adam Gazzaley und Dr. Larry Rosen, wird erklärt, wie unser Gehirn und die Fähigkeit sich zu konzentrieren, funktionieren und was wir tun können, um unseren Fokus nicht zu verlieren. So einfach wie sie klingt, scheint Aufmerksamkeit nicht zu sein, immerhin brauchen wir dazu zwei Bereiche unseres Gehirns. Die Fähigkeit unseres Gehirns zu selektieren – sich auf Dinge zu konzentrieren, die wichtig sind und gleichzeitig genau die zu ignorieren, die es eben nicht sind – beansprucht unsere volle Konzentration.

Wie kann ich mich fokussieren?

“Although it may seem counterintuitive, we now appreciate that focusing and ignoring are not 2 sides of the same coin […] it is not necessarily true that when you focus more on something, you automatically ignore everything else better. We have shown in our lab that different [brain] networks are engaged when we focus compared to when we ignore the same thing.”

Was die beiden Autoren in ihrem Buch beschreiben, bedeutet, dass die beiden Prozesse, die in unserem Gehirn stattfinden, grundsätzlich verschieden sind und unterschiedliche Bereiche und Strukturen nutzen. Auch wenn sie autonom ablaufen, sind beide Prozesse gleichermaßen kritisch für unsere Aufmerksamkeit. Ist ein Prozess beeinträchtigt, fällt es uns schwer, uns zu konzentrieren und wir verlieren unseren Fokus. Im Selbsttest hast Du das bestimmt auch schon feststellen können – wenn wir beispielsweise betrunken oder müde sind, fällt es uns besonders schwer, die Konzentration nicht zu verlieren. Aber vor allem mit dem Alter können die Prozesse beschädigt werden. Der Höhepunkt unserer Kapazität liegt bei rund 20 Jahren und nimmt mit zunehmendem Alter ab.

“Our main finding in this study was that, interestingly, older adults [focus on] relevant information as well as 20-year-olds. Where older adults suffered a deficit was in suppressing the irrelevant information … We discovered that their main attentional issue was that they are more distractible than younger adults.”

Gazzaley und Rosen erklären, dass unser Konzentrationsdefizit im Alter mit der Unfähigkeit zusammenhängt, die unwichtigen Dinge auszufiltern.

Wie man die Konzentration wiederfindet

Für den richtigen Fokus muss man erst alle Ablenkungen und Störfaktoren entfernen, um der Konzentration im Anschluss den notwendigen Boost zu geben. Eine Möglichkeit ist, die Augen zu schließen – dass diese einfache Option wirklich so effektiv funktioniert, liegt daran, wie unser Gehirn Informationen filtert – denn schließt man die Augen hat das Gehirn weniger damit zu tun, visuelle Informationen auszufiltern und kann somit mehr Energie aufwenden, um die wichtige Informationen im Gedächtnis zu filtern.

Ein Experiment über visuelle Ablenkungen und Multitasking

Gazzaley und sein Team haben Probanden gebeten, sich in drei unterschiedlichen visuellen Szenarien, Details zu behalten. Die Szenarien stellten sich so dar, dass die Probanden sich vorgetragene Informationen mit Blick auf einen einfachen grauen Hintergrund, ein beladenes Bild oder mit geschlossenen Augen behalten sollten.

“The results of this experiment revealed that their ability to remember details [ …] was significantly diminished when their eyes were open and there was a picture in front of them, compared to either their eyes being shut, or their eyes being open while they faced a grey screen”

Das Ergebnis des Tests bestätigte die zuvor angenommenen Erkenntnisse aus der Forschung. Die Fähigkeit sich die gegebenen Details zu merken, sank mit dem Blick auf ein Bild oder Hintergrund.

Lösungsansätze

Wenn man also eine Deadline zu erfüllen hat und man verzweifelt versucht, sich zu konzentrieren, kann man damit starten den Schreibtisch und den gesamten Arbeitsplatz aufzuräumen, um möglichst jede visuelle Ablenkung auszuschließen. Auch den Desktop am PC oder Laptop sollte man aufräumen – sich selbst ein Limit setzen, nur auf einen Monitor zu schauen, nur in einem Browser-Tab oder -Fenster, Computerprogramm oder App zu arbeiten.

Boost your focus!

Nach Gazzaley und Rosen gibt es durchaus bestimmte Aktivitäten oder Möglichkeiten, die eigene Wahrnehmung und Konzentration zu stärken. Das Gehirn lässt sich durch das Stärken und Reorganisieren existierender neuronaler Verbindungen stimulieren  – dieser Prozess heißt Neuroplastizität. Dazu gehören Aktivitäten wie Meditation oder die Verbindung mit der Natur. Kognitive Trainingsprogramme können darüber hinaus verkalkte Synapsen befreien und dazu beitragen, das insgesamt eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit zu verspüren ist. Auch Videospiele können zu einer Verbesserung beitragen – nicht von jedem Spiel ist aber ein Wunder zu erwarten. Die Spiele kreieren eine schnelllebige Umgebung, die interaktiv gestaltet ist und über komplexe Belohnungs- und Spielstrukturen verfügt – ein Spielplatz für das Gehirn.

“Cognitive exercises are an attempt to improve brain function by harnessing our brain’s inherent plasticity, rather than by explicitly teaching a strategy or a skill. Most training programs attempt to accomplish this goal not just through repetitive task engagement, but also through adaptivity.”

In der Zukunft – so Gazzaley und Rosen – werden kognitive Trainingsspiele mehr als “neuronales Cross Fit-Training” gestaltet sein, d.h. dass sie aus einer Kombination aus körperlicher und kognitiver Aktivität, sowie einem Anteil Meditation bestehen werden.

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